Forschungszulage für Pharma &
Life Sciences
Pharma- und Biotech-Unternehmen gehören zu den F&E-intensivsten Branchen. Wer neue Wirkstoffe, Bioprozesse oder analytische Methoden entwickelt, kann bis zu 25 % der Personalkosten steuerlich erstattet bekommen – unabhängig vom Zulassungsstatus.
- •Pharma-Unternehmen können bis zu 25 % ihrer F&E-Kosten über die Forschungszulage zurückerhalten.
- •Förderfähig: Wirkstoffscreening, Formulierungsentwicklung, präklinische Studien, analytische Methodenentwicklung.
- •70 % der CRO-Auftragsforschungskosten im EWR sind als förderfähige Aufwendungen anrechenbar.
- •Maximale Bemessungsgrundlage: 12 Mio. € pro Wirtschaftsjahr (bis zu 4,2 Mio. € Erstattung für KMU).
Besonderheiten der Pharma-Förderung
Die Pharmabranche zeichnet sich durch besonders hohe F&E-Intensität aus: Deutsche Pharmaunternehmen investieren durchschnittlich 13,1 % ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung (vfa, 2024). Die Forschungszulage bietet hier einen signifikanten Liquiditätsvorteil – unabhängig davon, ob ein Projekt die Zulassung erreicht.
Entscheidend für Pharma: Die BSFZ prüft nicht den Zulassungserfolg, sondern ob technische Unsicherheiten systematisch bearbeitet wurden. Auch gescheiterte Wirkstoffkandidaten, abgebrochene Formulierungsentwicklungen oder negative Studienergebnisse sind förderfähig – sofern der Forschungsansatz den Frascati-Kriterien entspricht.
Ein besonderer Vorteil: Auftragsforschung an CROs im Europäischen Wirtschaftsraum ist zu 70 % der Kosten anrechenbar. Bei typischen CRO-Beauftragungen von 500.000–2 Mio. € ergeben sich allein hieraus Erstattungen von 87.500–350.000 € pro Jahr.
Was wird in Pharma &
Life Sciences gefördert?
Diese Projekttypen sind typischerweise nach FZulG §2 förderfähig – sofern technische Unsicherheit vorlag und das Ziel nicht mit Standardmethoden erreichbar war.
Wirkstoffentwicklung & Drug Discovery
Entwicklung und Optimierung neuer Wirkstoffkandidaten, neuartiger Synthesewege oder innovativer Formulierungskonzepte in der präklinischen Phase.
Bioprozess-Entwicklung & Scale-Up
Entwicklung und Optimierung biotechnologischer Herstellungsprozesse, von der Fermentation über Aufreinigung bis zur Maßstabsvergrößerung.
Analytische Methoden & Qualitätskontrolle
Entwicklung neuer Analysemethoden, Charakterisierungsverfahren oder In-process-Kontrollen, die über den Stand der Technik hinausgehen.
FZulG-Kriterien für
Pharma-Projekte
Der Wirkstoff, Bioprozess oder die Methode geht über den aktuellen Stand der Wissenschaft hinaus.
Erfolg war zu Beginn ungewiss – Screening, Iterationen und Fehlversuche dokumentieren dies.
Laborbücher, SOPs, Versuchspläne und wissenschaftliche Berichte belegen die strukturierte Vorgehensweise.
Routine-Analytik und GMP-Produktion ohne Entwicklungscharakter sind nicht förderfähig.
Auch präklinische Forschung ohne Zulassungsziel ist förderfähig. Es ist kein Patent und keine Marktzulassung erforderlich – allein der F&E-Charakter zählt.
Förderfähig sind: Forschungschemiker, Biologen, Prozessingenieure sowie CRO-Beauftragungen (70 % der Vergütung).
Typische Förderung pro Pharma-Projekt: 80.000 – 300.000 €/Jahr
Interne Schätzung: € 180.000. NOVARIS identifizierte zusätzliche förderfähige Laborkosten und Auftragsforschung.
8+ Projekte betreut, 100 % Bewilligungsquote. Kein einziger Antrag abgelehnt.
Ohne vs. mit NOVARIS — typischer Unterschied
Illustratives Beispiel basierend auf durchschnittlichen Mandantenergebnissen. Tatsächliche Ergebnisse variieren.
Branchenspezifische Anforderungen in der Pharmabranche
Pharmaunternehmen verfügen dank ihrer GxP-Dokumentationspflichten (GLP, GMP, GCP) über eine hervorragende Ausgangsbasis für die Forschungszulage. Laborjournale, Chargenprotokolle, Validierungsberichte und Stabilitätsstudien nach ICH-Leitlinien Q1–Q12 dokumentieren systematische experimentelle Arbeit – exakt das, was die BSFZ als Nachweis für F&E-Tätigkeit fordert. Die Kunst liegt darin, aus der umfangreichen regulatorischen Dokumentation die F&E-relevanten Anteile zu extrahieren und strukturiert aufzubereiten.
Die Abgrenzung zwischen präklinischen und klinischen Phasen hat unmittelbare Auswirkungen auf die Förderfähigkeit. Präklinische Studien (In-vitro-Assays, Tiermodelle, ADME-Studien, toxikologische Untersuchungen) sind regelmäßig förderfähig, da sie per Definition experimenteller Natur sind. In klinischen Phasen I–III sind insbesondere die wissenschaftliche Planung, biostatistische Auswertung und die Entwicklung analytischer Methoden förderfähig. Phase-IV-Studien können förderfähig sein, sofern sie über reine Marktbeobachtung hinausgehen und neue wissenschaftliche Fragestellungen untersuchen.
Die Entwicklung von Wirkstoffen (APIs) und innovativen Darreichungsformen bietet erhebliches Förderpotenzial. Syntheseoptimierung, Formulierungsentwicklung, Prozessupscaling vom Labor- zum Produktionsmaßstab und die Entwicklung analytischer Methoden (HPLC, Massenspektrometrie, Auflösungstests) sind typische förderfähige Aktivitäten. Auch Biosimilar-Entwicklung, obwohl das Referenzprodukt bekannt ist, erfordert eigenständige F&E zur Herstellung vergleichbarer Qualitätsattribute.
Regulatorische Submissions (CTD-Dossiers, Zulassungsanträge bei BfArM oder EMA) enthalten umfangreiche wissenschaftliche Abhandlungen. Die Module 2.4 (Nichtklinische Übersicht), 2.5 (Klinische Übersicht), 2.6 (Nichtklinische Zusammenfassungen) und 2.7 (Klinische Zusammenfassungen) des CTD sind häufig von Wissenschaftlern erstellt, deren Arbeitszeit anteilig förderfähig ist. Unsere spezialisierten Berater kennen die Schnittstellen zwischen Regulatory Affairs und F&E und maximieren so die förderfähige Bemessungsgrundlage.
Typische Fördersummen in der Pharmabranche
Rechenbeispiel: Biopharma-KMU mit Wirkstoffpipeline
- • 15 Wissenschaftler in Synthese, Analytik und Formulierung (Bruttolohn: 1.200.000 €)
- • F&E-Anteil (ca. 75 %): 900.000 €
- • Auftragsforschung (CRO für präklinische Studien): 300.000 € (70 % = 210.000 €)
- • Maximale Bemessungsgrundlage genutzt: 1.000.000 €
- • Forschungszulage: 250.000 € / Jahr
Rechenbeispiel: Generika-Hersteller mit Formulierungsentwicklung
- • 4 Galeniker und 2 Analytiker (Bruttolohn: 480.000 €)
- • F&E-Anteil Formulierungsentwicklung (ca. 50 %): 240.000 €
- • Jährliche Forschungszulage: 60.000 €
Förderfähige F&E-Projekte im Pharma-Bereich
Die Pharmaindustrie investiert branchenübergreifend den höchsten Anteil ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung – und genau hier setzt die Forschungszulage an. Vom frühen Drug Discovery über die Formulierungsentwicklung bis hin zur Prozessvalidierung bieten sich zahlreiche förderfähige Projekttypen, die wir im Folgenden anhand konkreter Beispiele erläutern.
Unser Tipp: In der Pharmabranche sind häufig auch Prozessentwicklungsarbeiten förderfähig, die auf den ersten Blick als reine Produktion erscheinen – etwa die Erforschung neuer Granulationsverfahren, die Entwicklung PAT-basierter Echtzeitfreigabeverfahren (Real Time Release Testing) oder die Scale-up-Forschung für neuartige Darreichungsformen. Unsere Pharma-erfahrenen Berater identifizieren regelmäßig zusätzliche F&E-Anteile in GMP-nahen Bereichen.
Häufige Fragen
Weiterführende Inhalte zur Forschungszulage
Vertiefen Sie Ihr Wissen mit unseren spezialisierten Ressourcen:
Regulatorische Besonderheiten der Pharma-F&E
Die Schnittstelle zwischen klinischer Forschung, GMP-Prozessen und der Forschungszulage birgt erhebliches, oft ungenütztes Förderpotenzial.
Phase I–III: Klinische Studien
Klinische Prüfungen der Phasen I bis III gelten grundsätzlich als experimentelle Entwicklung im Sinne des FZulG. Die förderfähigen Kosten umfassen nicht nur die Wirkstoffforschung selbst, sondern auch die Entwicklung innovativer Studiendesigns, adaptiver Dosierungsalgorithmen und neuartiger Biomarker-basierter Endpunkte. Phase-IV-Studien (Post-Marketing) sind hingegen in der Regel nicht förderfähig.
GMP-Prozessentwicklung
Die Entwicklung neuer Herstellverfahren unter GMP-Bedingungen (Good Manufacturing Practice) ist häufig förderfähig – insbesondere wenn Scale-up-Prozesse technische Unsicherheiten aufweisen. Dazu zählen kontinuierliche Fertigungsmethoden (Continuous Manufacturing), neuartige Formulierungstechnologien oder die Entwicklung von PAT-Systemen (Process Analytical Technology).
Regulatory Affairs & CMC
Auch Tätigkeiten in Regulatory Affairs können förderfähig sein, sofern sie über reine Dokumentationsarbeit hinausgehen. Die Entwicklung innovativer CMC-Strategien (Chemistry, Manufacturing and Controls), Real-World-Evidence-Konzepte oder neuartiger Dossier-Formate für beschleunigte Zulassungsverfahren weist oft die erforderliche technische Neuartigkeit auf.
Praxiserfahrung: Bei unseren Pharma-Mandanten identifizieren wir durchschnittlich 30–40 % mehr förderfähige Tätigkeiten als ursprünglich angenommen – insbesondere in der Prozessentwicklung und bei analytischen Methodenvalidierungen, die häufig als “Routine” fehlklassifiziert werden.
